Die Reise beginnt
Am 02.05.2025 war es soweit und viele Monate Planung und Vorbereitung wurden Realität. Um 03:30 Uhr morgens ging der Wecker und um 04:15 Uhr ging es zum Flughafen Düsseldorf.
Es war unerwartet voll am Flughafen, denn anscheinend gingen stapelweise Flieger direkt ab 06:00 Uhr Richtung Spanien. Und als KLM Passagier musste ich dann auch noch zum Selbst-Check-In, was man in diesem vollen Gewirre erst einmal blicken musste. Letztendlich lief aber alles gut und ohne Hektik, so dass der erste Flieger Richtung Amsterdam zusammen mit mir pünktlich gestartet ist.
In Amsterdam ging es dann flott Richtung Gate zum Flug nach Southampton, mit einen kurzen Zwischenstopp an der Passkontrolle (wer auch immer diese dämliche Idee für UK hatte aus der EU auszutreten). Tatsächlich ging es hier ebenfalls reibungslos weiter und auch in Southampton ist der Flieger dann pünktlich gelandet.
Mit vollem Gepäck ging es dann flott zur Bushaltestelle – die dann auch keine 20m vom Ausgang entfernt war. 🙂 Der Bus kam keine 3 Minuten später und zack, ging es einmal quer durch die Stadt bis runter zum Hafen. Dort angekommen war es gerade mal etwa 12:00 Uhr und ich hatte die Fähre für 14 Uhr eingeplant. Also ab zu Schalter und nachgefragt – und völlig problemlos wurde mein Ticket getauscht und ich konnte auf die Fähre Richtung Isle of Wight steigen.
Damit war die Anreise praktisch reibungslos geschafft und es blieb nur noch der Weg zum Hotel (eigentlich zum Pub mit ein paar vermieteten Zimmern). Und was soll ich sagen? Natürlich war ich auch hier zu früh, aber das Zimmer war schon fertig und ich konnte schon rein aus auspacken. Und nachdem das erledigt war, gab es im Pub selber erst einmal etwas zu essen und ein Bier! 🙂
Der Lauf
Am Tag des großen Starts bin ich dann gegen 04:30 Uhr aufgewacht, wobei der Wecker nicht viel später geklingelt hätte. Es standen immerhin noch Tasche & Rucksack packen an und um 6 Uhr musste ich am Treffpunkt für den Shuttlebus sein. Eben jener Bus hat dann mich und etwa 40 weitere Starter in den Süden der Insel gebracht, wo auf einem riesigen Gelände all die Eventzelte aufgebaut und waren.
Die Anmeldung und der Taschentransfer waren dann auch schnell erledigt und organisiert und so hieß es dann nur noch auf das Startfenster um 9 Uhr warten.
Es ging dann auch pünktlich los und nach einem kleinen Warmup wurden wir auf die Strecke gelassen. Der Start erfolgte mitten in der schönsten Natur und schon nach wenigen Kilometern ging der Pfad oben an den Klippen an der Küste entlang.
Und ab hier wird es schwierig. Man kann keine 106 km und 22 Stunden in ein paar Absätzen zusammenfassen. Die vielen verschiedenen Eindrücke und Emotionen lassen sich auch schwer in Worte fassen, die es ermöglichen würden, auch nur annährend das zu erleben, was ich während dieses Events erleben durfte. Deshalb beschränke ich mich auf ein paar Highlights entlang der Strecke…
Organisation
Hier hat man tatsächlich gemerkt, dass es dieses Event nicht erst seit kurzem gibt – hier haben viele Jahre Erfahrung mit eingespielt und zu diesem tollen Ergebnis geführt.
Verpflegung
Auch wenn ich weiter unten zwei besondere, vielleicht nicht so appetitliche Highlights präsentiere, so war das Gesamtpaket an Essen und Trinken wirklich super!
Grundsätzlich war jede Station mit Wasser- und Iso-Kanistern zum Zapfen ausgestattet, so dass man seine Flaschen und Trinkblasen problemlos und schnell auffüllen konnte. Auch hatte jede Station immer einen Tisch mit Kaffee, Kakao und Keksen für den schnellen Zugriff und Energieschub.
Abgesehen davon hatten aber alle Stationen auch immer eine große Auswahl weiterer Verpflegungsoptionen. Ein Mix an Süßigkeiten und Riegeln für unterwegs waren fast immer verfügbar. Und jede Station hatte dann noch ihre „Spezialität“, was von einfachen Wraps bis zum warm gemachten Gerichten reichte.
Unterm Strich kann man sagen, dass die Verpflegung wirklich sehr reichhaltig, vielfältig und auch lecker war.
Die Strecke und der Kopf
Die Isle of Wight ist tatsächlich mit einer wunderschönen Landschaft ausgestattet. Es ging viele Kilometer an der schönen Küste entlang, die an vielen Stellen eine beeindruckende Aussicht zu bieten hatte. Wenn es mehr ins Insel-Innere ging, gab es wunderschöne Strecken entlang von Feldern oder durch Wälder, die automatisch eine Lächeln und eine gewisse Entspannung gezaubert haben.
Zusätzliche Abwechslung kam dann, wenn es noch durch kleine Ortschaften ging, in denen erfreulicherweise sehr oft völlig unbeteiligte Passanten klatschten und ein paar motivierende Worte mit auf den Weg gaben – auch wenn im Inneren wusste, dass die meisten einen nur für völlig bekloppt halten können, an einem solchen Event teilzunehmen. 🙂
Die ersten etwa 35 Kilometer bin ich dann auch einige Abschnitte der Strecke getrabt oder gelaufen (aber nicht ohne immer mal wieder für Fotos oder Ausblicke anzuhalten). Danach haben dann aber auch schon die Höhenmeter ihre Wirkung gezeigt und aus Laufen wurde Trab, aus Trab wurde schnellen gehen.
Das Tempo entsprach aber dennoch dem grob geplanten Ablauf und so war ich dann abends (und noch im Hellen) an der mittleren Station bei etwa Kilometer 56 – die Station, bei der dann auch meine Taschen für die Nacht hinterlegt war. Nach einer warmen Mahlzeit habe ich mich dann umgezogen und für die kalten Nachttemperaturen gerüstet. Dann noch mal die Trinkblase auffüllen und schon ging es mit dem Sonnenuntergang an meiner Seite auf die zweite Hälfte der Strecke und hinein in die Nacht.
Die Müdigkeit an sich war meine geringste Herausforderung. Ab etwa Kilometer 60 kam der erwartete Übergang in die psychologische Herausforderung. Denn ab jedem Kilometer rechnet de Kopf automatisch die noch verbleibende Strecke und wenn die Beine und Augen schwerer werden und man sich dann bewusst wird, dass man noch mehr Strecke als bei einem Marathon zurücklegen muss, dann wird es knackig.
Es war immer dieselbe Psycho-Runde im Kopf… man sieht ein Kilometer-Schild, freut sich kurz über das erreichte Etappenziel, rechnet wieder und verliert den Optimismus wieder und denkt dann zusätzlich noch darüber nach, wie lange es dauern wird, bis auch der nächste Kilometer erreicht ist. Und täglich grüßt das Kilometerschild …
Ich kann nicht mehr sagen, wie die nächtlichen Stunden vergangen sind. Kilometer für Kilometer ging es durch neue unbekannte Gegenden. Mal mitten durch kleine Orte, mal über Felde und durch Wälder, wo man gefühlt nie wieder gefunden werden würde. Und ab einer gewissen Zeit alleine unterwegs, hat man sich auch in Selbstgesprächen nichts mehr zu sagen. 🙂
Irgendwann war es dann aber soweit und ich durfte das „100 km“ Schild mit meinen Augen begrüßen. Mittlerweile war die Sonne aufgegangen, es wurde wieder wärmer und die Sonnenstrahlen haben noch mal einen letzten großen Schub Motivation aktiviert.
Die letzten 5 Kilometer gingen dann noch mal durch wunderschöne Landschaften in Küstennähe. Allerdings hatte auch irgendjemand die hervorragende Idee, noch mal fett Höhenmeter in die Strecke zu integrieren. Hier wurden die letzten Energiereserven wirklich bis aufs letzte ausgekratzt – was für mich zu dem Schluss geführt hat, dass es auf der Isle of Wight nur bergauf geht. 🙂
Einen Finger in diese Wunde hat dann noch mal der letzte Kilometer gelegt. Man hatte das Ziel direkt vor Augen, wurde dann aber noch für die letzten tausend Meter durch irgendwelche Pfade rund um das Ziel geleitet. An der Stelle muss ich zugeben, dass mir der Satz „ihr wollt mich doch verarschen“ mehr als einmal in den Sinn gekommen ist.
Das Ziel
Es lässt sich schwer erklären, aber meine Freude beim Zieleinlauf hat sich tatsächlich in Grenzen gehalten. Erschöpfung und Müdigkeit waren sehr groß und haben keinen großen Jubel mehr zugelassen. Wie schon bei der eigentlichen Best Ager Tour musste das ganze Event und alles Drumherum erst einmal sacken.
Trotz allem war es dann ein schönes Gefühl im Zielbereich zu sein. Erst mal hat es noch mal was zu Essen und einen Kaffee gegeben. Danach habe ich dann meine Tasche geholt und noch ein paar Klamotten gewechselt.
Etwa eine Stunden später ging dann auch der Bus zurück in den Norden der Insel. Wobei es eigentlich schon sehr witzig war, wie dann 20 Leute aus einem kleinen Bus ausgestiegen sind und keiner davon mehr richtig gehen konnte. 🙂
Das muss noch raus: Die Toiletten
An allen Stationen gab es immer ausreichen Dixi-Klos und davor einen Tisch mit Desinfektionsflaschen. Was mich aber besonders beeindruckt hat: Es waren Modelle, die quasi einen Spülung hatten, die man über einen Hebel aktivieren konnte. Es gab also nicht den sonst so ekelhaften und verstörenden Anblick der Ausscheidungen Anderer aus den letzten Stunden.
Zusätzlich war immer Reinigungspersonal vor Ort, d. h. dass die Toiletten auch die gesamte Zeit über zusätzlich gereinigt wurden.
Das habe ich so noch bei keinem Event erlebt und das hat mich wirklich beeindruckt. Das dürften andere Veranstalter gerne mal übernehmen.
Kulinarische Highlights
Wie oben erwähnt, muss ich noch 2 Highlights loswerden, nämlich das „Frühstück“ und die warme Mahlzeit im Ziel.
Da mein Start sehr früh war, hatte ich mir noch das „breakfast“ für 7 Pfund dazu gebucht. Die erwartete Auswahl an vielleicht etwas Brot, Toast oder Ei hab es dann allerdings nicht – sondern dieses Etwas aus trockenem Brötchen mit Fleischbelag. Ich habe mein sog. Frühstück dann auch gegessen, aber hier haben Erwartung und Realität mal gar nicht zueinander gepasst. 🙂
Und am Ende gab es dann noch ein ähnliches Highlight, nämlich die warne Mahlzeit im Ziel. Ein wilder Mix aus weichem Fleisch und Bohnen, den ich dann aber auch noch gegessen habe.
In beiden Fällen muss ich nach Betrachtung der Fotos sagen: ich habe keine Ahnung, wie ich das runter bekommen habe. Aber besondere Situationen ermöglichen besondere Taten…
Am Ziel einer langen Reise
Tja, das Event war dann geschafft. Ich war zurück auf meinem Hotelzimmer und habe nach einer ausgiebigen Dusche dann erst mal 3 Stunden geschlafen.
Direkt im Anschluss ging es dann in den Supermarkt, in dem ich mich dann noch mit einer Maxipackung Magnum-Eis und diversen anderen leckeren Produkten ausgestattet habe, um dann erst mal richtig ungesund zu futtern.
Danach haben sich dann auch die ersten Gedanken und Erkenntnisse gesetzt und ich wurde mir das erste mal richtig bewusst, dass ich die Isle of Wight Ultra Challenge geschafft hatte. Viele Monate Planung und Vorbereitung waren vorbei und damit bleiben dann nur noch die Erinnerungen und die Fotos an diesen einmalige Event.
Es war wirklich ein schönes Abenteuer und ich freue mich über die Erfahrungen die ich machen konnte. Trotzdem habe ich meine lieben Kollegen Flo und Patrick doch sehr vermisst, denn es ist unglaublich stärkend, wenn man nicht alleine unterwegs ist und man sich gegenseitig aus diversen Tiefs herausholen kann. Da gab es viele Momente entlang der Strecke, in denen ich das hätte gut gebrauchen können.
Aber schauen wir einfach mal, was die nächsten Jahre noch so ergeben. 😉
Eine etwas wildere Rückreise
Um den Kreis zur Anreise zu schließen: Die Rückreise nach Düsseldorf habe ich dann auch noch bewältigt. Allerdings nicht ganz so einfach, denn mein Flieger in Southampton ist über 1,5 Stunden später nach Amsterdam gestartet und bis zu meiner Ladung dort, war nicht klar, ob ich meinen Anschlussflug nach Düsseldorf noch bekommen wurde.
Zum Glück hatte dieser Flieger aber ebenfalls Verspätung und so bin ich nach einem schnellen Lauf durch den Amsterdamer Flughafen (vielen Dank dafür dass ich mit diesen defekten Beinen rennen musste) dann noch auf die Sekunden genau pünktlich zum Boarding angekommen.
Der Flieger ist dann auch noch rechtzeitig gestartet, so dass wir auch noch in Düsseldorf landen durften und ich nach diesen abenteuerlichen Tagen endlich wieder bei meiner geliebten Familie war.

















